26. Mai 2010
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Auf dem Juso-Bundeskongress vom 18. bis 20. Juni in Essen fordern wir endlich die Öffnung der Jusos und die Schaffung der Grundlagen für einen modernen Verband. Daher unterstützen wir den Antrag P4 - Jusos öffnen!
Nirgendwo hat die SPD bei der Bundestagswahl 2009 stärker an Zustimmung eingebüßt als bei den jungen Wählern: Laut Infratest Dimap haben nur 18% der zwischen 18-24 jährigen und 17% der 25-34 jährigen WählerInnen uns SozialdemokratInnen ihre Stimme gegeben. Dies ist ein zugleich desaströses und schockierendes Ergebnis, welches insbesondere uns Jusos als Jugendorganisation unserer Partei zu denken geben muss. Die Betrauung des Juso-Bundesverbands mit der alleinigen Verantwortung für den Jugendwahlkampf hat sich offensichtlich nicht ausgezahlt. Es gilt nun, die Gründe für dieses Versagen zu diskutieren und hieraus Konsequenzen zu ziehen. Trotz insgesamt mehrheitsfähiger Inhalte der Mutterpartei (Bürgerversicherung, Mindestlöhne, Abschaffung Studiengebühren etc.) ist es unserer Jugendwahlkampfführung nicht gelungen, junge Menschen von der Wahl der SPD zu überzeugen. Wir müssen uns die Frage stellen, warum der Juso-Bundesverband zunehmend seine kulturelle Anschlussfähigkeit an die junge Generation verliert. Wir interpretieren dieses Ergebnis wie folgt:
I. Die Jusos bilden die junge Generation nur unzureichend ab. Schon heute besteht der überwiegende Teil der JungsozialistInnen und Jungen SozialdemokratInnen fast ausschließlich aus Studierenden, was in vielen Fällen zu einer pseudo-akademischen Diskussionskultur führt, die für Azubis und junge ArbeitnehmerInnen unattraktiv ist. Eine stärkere Einbeziehung von Nicht-Studierenden würde jedoch einen Beitrag zu einer besseren „Erdung“ der vielfach abgehobenen und übertheoretischen Diskussionen innerhalb des Verbandes führen.
II. Die Strategie der Bundesjusos, sich primär am äußeren Rand des linkskonservativen politischen Spektrums
gemeinsam mit der Linkspartei zu positionieren ist nicht erfolgreich. Wir Jusos sollten uns deshalb iin Zukunft verstärkt darum bemühen, junge Menschen dort abzuholen wo sie stehen und ihnen mit offenen Strukturen zu begegnen. Dazu gehören ergebnisorientierte Diskussionen, Schulungen und Arbeitskreise, aber auch Freizeitangebote.
Vor allem aber muss jede politische Meinung innerhalb der Sozialdemokratie gehört und nicht von vornherein abgelehnt werden, weil sie nicht revolutionär genug ist. Die große Mehrheit der jungen Menschen hat heute einfach keine Lust mehr auf
Marx-Lesezirkel und Endlosdebatten über die Frage, ob es eigentlich „okay“ ist, wenn man sich über ein Tor der deutschen Nationalmannschaft freut. Solange die Jusos sich diesen links eingestellten jungen Menschen weiterhin verschließen, wird eine notwendige Öffnung und Integration der unter 35-jährigen nicht gelingen.
III. Die Jusos vertreten linke Politik oftmals dogmatisch, mittelfixiert und opportunistisch. Es trägt nicht zum Vertrauensgewinn bei, wenn die Jusos innerhalb der SPD für Personen und Parteiprogramme stimmen, dann aber in den Verband ihrer Kritik und Skepsis freien Lauf lassen. Wir Jusos müssen stärker dem Eindruck entgegentreten, dass der Verband ein Sprungbrett karriereorientierter Jungfunktionäre ist, die an der einen Stelle links blinken um dann an anderer Stelle rechts abzubiegen. Wir Jusos müssen unseren Anspruch auf pragmatische, d.h. tatsächlich umsetzbare und ernstgemeinte Politik, neu bekräftigen. Hierfür müssen wir wieder stärker bereit sein, über eine sich verändernde Gesellschaft und Ökonomie zu diskutieren und geeignete Wege zur Verwirklichung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu finden. Anstatt wie bisher auf Deutungsmuster und Instrumentarien der 80er Jahre zurückzufallen, sollten wir Jusos fortschrittliche linke Antworten auf die Probleme unserer Zeit finden.
ANTRAGSTELLER: UB Ahrweiler , UB
Bottrop , KV Eimsbüttel , UB Flensburg , UB Germersheim , KV Karlsruhe-Land , KV
Karlsruhe-Stadt , UB Kreis Wesel , UB Köln , UB Leverkusen , UB Limburg-Weilburg ,
UB Ludwigshafen , UB Lübeck , UB Mönchengladbach , UB Mühldorf , RV München-Nord , KV
Neckar-Odenwald , UB Neumarkt , UB Oberberg , UB Oberland , KV Ostalb , KV
Rastatt/Baden-Baden , UB Recklinghausen , UB Solingen , KV Tuttlingen , UB Verden ,
UB Vorderpfalz , KV Zollernalb , LV Hamburg , LV Sachsen-Anhalt
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